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Showing posts from 2026

Dwar Torah Shabbat Lech Lecha 5787

Vor zwei Wochen haben wir Paraschat Bereschit gelesen. Gott segnet Adam und seine Frau: „Seid fruchtbar und mehrt euch.“ Doch kaum sind die beiden aus dem Garten heraus, erschlägt Kain seinen Bruder aus Neid. Zehn Generationen, so lehrt uns die Mischna in Pirkej Awot, vergehen von Adam bis Noach, und alle erzürnen sie Gott. Am Ende ist die Welt so voller Gewalt, dass Gott dem Projekt Schöpfung einen Neustart verpasst. Noach, der Isch Zaddik, der Gerechte, soll der Anfang des zweiten Versuchs sein. Auch ihn segnet Gott. Aber kaum ist die Menschheit neu gestartet, geht es schon wieder schief. Die Menschen bauen den Turm von Babel und werden in alle Enden der Welt und in alle Sprachen zerstreut. Wieder vergehen zehn Generationen. Und dann, im dritten Anlauf, fällt der Segen Gottes auf einen anscheinend ganz gewöhnlichen Menschen. Wir lernen ihn zuerst nur als Sohn und Bruder kennen: „Dies ist die Geschichte Terachs: Terach zeugte Awram, Nachor und Haran.“ Awram heiratet Sarai, und die Tor...

Dwar Torah Bereshit 5787

Die Macht des Benennens Wie erschafft Gott die Welt in unserer Parascha? Nicht mit Händen, denn die hat er ja nicht, und auch nicht mit Werkzeug, das braucht er nicht. Sein Werkzeug ist allein sein Wort. Er spricht. Wa-jomer Elohim: „Und Gott sprach: Es werde Licht“, und es wurde Licht. Mit zehn Aussprüchen, sagt die Mischna, wurde die Welt erschaffen. Die Welt ist aus Worten gemacht. Und dann erschafft Gott den Menschen „in seinem Ebenbild“. Was können wir darunter verstehen? Onkelos, die alte aramäische Übersetzung der Tora, gibt eine wunderbar schlichte Antwort. Wo es heißt, Gott blies dem Menschen Atem ein und er wurde ein lebendiges Wesen, übersetzt Onkelos: Er wurde ein sprechender Geist. Und Raschi erklärt: Auch Tiere sind lebendige Wesen, aber im Menschen kam etwas hinzu, Verstand und Sprache. Das Bild Gottes im Menschen ist also genau das, womit Gott die Welt erschaffen hat: das Wort. Und das wissen wir eigentlich alle aus eigener Erfahrung. Ein Wort kann einen Menschen aufric...

Dwar Torah Parashat Ki Tawo 5786 (de+ru)

Wir befinden uns ganz am Ende der langen Rede, die Mosche am Ufer des Jordan an Bnei Jisrael hält. Es ist einer der letzten Momente, die das Volk gemeinsam mit ihm erlebt, denn bald wird es ohne ihn ins Land ziehen. Unsere Parascha beginnt mit den Worten "Ki Tavo el Ha'aretz" – "wenn du in das Land kommst", und diese Formulierung nimmt genau diesen bevorstehenden Übergang vorweg. Man merkt an diesen Versen, dass wir kurz vor etwas Großem stehen. Es ist aber auch aus einem zweiten Grund eine besondere Stelle im Text. Mit unserer Parascha endet auch der große deuteronomistische Gesetzeskodex, der seit Kapitel 12 läuft. Und ausgerechnet an dieser Nahtstelle passiert etwas, das es in der Tora vorher so noch nicht gab. Der Text hört auf, nur Gesetz zu sein, und präsentiert uns eine Liturgie. Zum ersten Mal bekommen wir konkrete Worte in den Mund gelegt, Worte, die uns zeigen, wie und was wir zu Gott sprechen sollen. Genau darüber möchte ich heute Abend sprechen.  Die...

Parashat Dewarim Shabbat Chason 5786

 Diesen Shabbat war ich wiedermal in Dresden. Dies ist meine zweite Dewarim Dwar Torah, die ich gerne mit euch hier zweisprachig teile. Die erste findet ihr hier . Dieser Schabbat, der Schabbat vor Tischa beAv, heißt auch "Schabbat Chason" – benannt nach der Haftara aus Jesaja: "Chason Jeschajahu", die Vision Jeschajahus. Ein seltsamer Name für diesen Schabbat. Eine Vision, ein Chason, verbinden wir normalerweise mit Hoffnung, mit einem Blick nach vorn. Aber Jeschajahus Chason ist keine Verheißung, sondern eine Anklage: ein Volk, das Opfer bringt, ohne gerecht zu handeln; eine Stadt, die einst treu war und nun zur Hure geworden ist. Es ist eine Vision der Zerstörung, bevor sie geschieht. Und genau das ist der Schlüssel. Die Propheten – nicht nur Jeschajahu – prophezeien nicht den Untergang als Schicksal. Sie warnen nur davor. Jede Prophezeiung der Zerstörung ist, ihrem Wesen nach, ein letzter Ruf zur Umkehr. Hätte Israel gehört, wäre nichts von alledem eing...