Skip to main content

Dwar Torah Parashat Ki Tawo 5786 (de+ru)

Wir befinden uns ganz am Ende der langen Rede, die Mosche am Ufer des Jordan an Bnei Jisrael hält. Es ist einer der letzten Momente, die das Volk gemeinsam mit ihm erlebt, denn bald wird es ohne ihn ins Land ziehen. Unsere Parascha beginnt mit den Worten "Ki Tavo el Ha'aretz" – "wenn du in das Land kommst", und diese Formulierung nimmt genau diesen bevorstehenden Übergang vorweg. Man merkt an diesen Versen, dass wir kurz vor etwas Großem stehen. Es ist aber auch aus einem zweiten Grund eine besondere Stelle im Text. Mit unserer Parascha endet auch der große deuteronomistische Gesetzeskodex, der seit Kapitel 12 läuft. Und ausgerechnet an dieser Nahtstelle passiert etwas, das es in der Tora vorher so noch nicht gab. Der Text hört auf, nur Gesetz zu sein, und präsentiert uns eine Liturgie. Zum ersten Mal bekommen wir konkrete Worte in den Mund gelegt, Worte, die uns zeigen, wie und was wir zu Gott sprechen sollen. Genau darüber möchte ich heute Abend sprechen. 

Diese erste Liturgie der Tora beginnt mit den Bikkurim, den Erstlingsfrüchten. Eine eigene Abhandlung dieses Abschnitts von mir kann man im Archiv der Jüdischen Allgemeinen online nachlesen. Hier nur kurz: Ein Bauer bringt seine erste Ernte zum Tempel und spricht dort vor dem Kohen eine kurze, aber erstaunlich dichte Erklärung. In wenigen Sätzen fasst er die gesamte Geschichte seines Volkes zusammen. "Mein Vater war ein fast verhungerter Aramäer und zog nach Ägypten. Dort wurden wir zahlreich. Die Ägypter versklavten uns, und wir schrien zu Gott. Und Gott hörte uns, befreite uns mit großen Wundern und brachte uns in dieses Land." Vier kurze Sätze, und die ganze Geschichte des Volkes ist erzählt. Und der Bauer, der da mit seinem Korb Früchte steht, ordnet sich selbst in diese Geschichte ein. Er sagt nicht nur, was damals geschehen ist, er erklärt, dass er, mit seiner eigenen Ernte in seinen eigenen Händen, das Ergebnis dieser Geschichte ist. Im Kern ist das ein Ausdruck von Dankbarkeit. Dankbarkeit für das Land, für die Ernte, für die Freiheit und dafür, überhaupt ein Volk unter Gott geworden zu sein. 

Direkt im Anschluss an die Bikkurim-Erklärung kommt eine zweite Erklärung, der Vidui Maaser, die Zehnterklärung. Sie wird alle drei Jahre gesprochen, nachdem man ein Zehntel des Jahresertrags den Leviten, den Fremden, den Waisen und den Witwen gegeben hat. Man erklärt dann vor Gott: "Ich habe das Heilige, den Maaser, aus meinem Haus entfernt und es genau denen gegeben, denen du es zugedacht hast, ich habe nichts von deinen Geboten übertreten und nichts vergessen." Das Wort Vidui heißt Bekenntnis, und in unserer Tradition kennen wir dieses Wort eigentlich fast nur aus einem einzigen Zusammenhang, dem Vidui an Jom Kippur, wo wir unsere Verfehlungen bekennen. Hier aber ist es genau umgekehrt. Man bekennt nicht, was man falsch gemacht hat, sondern man bezeugt, dass man es richtig gemacht hat. Und zwar nicht irgendwo, sondern an einer ganz bestimmten Stelle, bei der Verantwortung für die Schwächsten der Gesellschaft: den Leviten, ohne eigenes Land, dem Fremden, ohne eigene Familie, den Waisen und den Witwen. Meine Mutter sagt beim Wandern immer, eine Gruppe ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ich glaube, genau das steckt hinter diesem Bekenntnis. Wer dankbar dafür ist, dass Gott selbst einmal ein Volk von Sklaven gerettet hat, kann nicht Ernte einfahren und dabei die Schwachen in der eigenen Mitte vergessen. Das Volk ist nur so stark wie es die Schwächsten unter uns sind. Und genau um die müssen wir uns kümmern. Es ist auch kein Zufall, an welcher Stelle in diesem Text die Bitte um Segen steht. Erst nachdem man Rechenschaft über die Verantwortung abgelegt hat, bitten wir Gott: Blicke herab aus deiner heiligen Wohnung, aus dem Himmel, und segne dein Volk und das Land. Erst die Verantwortung, dann der Segen. 

Und dann, direkt im Anschluss, kommt der eigentliche Höhepunkt dieses Abschnitts. Zwei Verse, die aus derselben seltenen hebräischen Verbform gebildet sind. "Et Adonai he'emarta hajom" – "du hast heute erklärt, dass der Ewige dein Gott ist, dass du in seinen Wegen gehst und auf seine Stimme hörst." Und "Adonai He'emircha hajom" – "und der Ewige hat dich heute dazu erklärt, sein besonderes Volk zu sein, wie er es versprochen hat." Dasselbe Verb, einmal auf das Volk bezogen, einmal auf Gott. Eine gegenseitige, symmetrische Erklärung, fast wie zwei Menschen, die sich im selben Moment das Jawort geben. Raschi liest dieses seltene Wort als "aussondern" oder "auswählen". Israel hat sich unter allen denkbaren Göttern für diesen Einen entschieden, und Gott hat sich unter allen Völkern für dieses Eine entschieden. Und nicht zufällig steht hier zweimal das Wort "heute". Wenn man bedenkt, wer hier eigentlich vor Mosche steht, wird diese Stelle noch eindrücklicher. Diese Generation stand nie am Sinai. Sie war damals noch nicht geboren, oder nur Kinder. Und hier, am Ufer des Jordan, kurz vor dem Einzug ins Land, holt sie ihr eigenes Sinai gewissermaßen nach. Eine gegenseitige Erklärung zwischen Volk und Gott, genau wie am Sinai. Das Volk, das in diesem Moment zum Volk wird, genau wie am Sinai. Und gleich im nächsten Kapitel das Gebot, das ganze Gesetz auf Steine zu schreiben, sobald man den Jordan überquert hat, so wie am Sinai die Gesetzestafeln entstanden. 

Und jetzt kommt noch etwas, das mir beim Lesen aufgefallen ist. Ein Satz, den vermutlich jeder von uns kennt: ein Land, das von Milch und Honig fließt. Dieser Satz taucht in unserem Abschnitt gleich dreimal auf, und immer an derselben Stelle, am Ende eines Abschnitts. Am Ende der Bikkurim-Erklärung. Am Ende des Vidui Maaser. Und am Ende des Gebots zur Steinschrift. Dieser Satz ist ursprünglich Gottes eigenes Versprechen an Mosche am brennenden Dornbusch, ganz am Anfang der Geschichte. Jetzt, kurz vor dem tsächlichen Einzug in das Land, kehrt er dreimal wieder, als eine Art Refrain unter Dankbarkeit, Verantwortung und Bund. Darin klingt die nahende Einlösung dieses allerersten Versprechens mit, kurz bevor es tatsächlich wahr wird. 

Wir stehen jetzt selbst mitten im Elul, kurz vor den Yamim Noraim, den Hohen Feiertagen, und in wenigen Wochen werden wir an Jom Kippur wieder einen Vidui sagen. Aschamnu, Bagadnu, wir haben gesündigt, wir haben untreu gehandelt. Unsere Parascha erinnert uns daran, dass es daneben noch eine andere Art von Bekenntnis gibt. Ein Bekenntnis nicht nur zu dem, was wir versäumt haben, sondern auch zu dem, wofür wir dankbar sind und wofür wir Verantwortung übernehmen wollen. Mögen wir in diesem Elul beide Bekenntnisse finden. Das ehrliche Eingeständnis dessen, was wir falsch gemacht haben, und genauso das ehrliche Bekenntnis zu dem, was wir richtig gemacht haben und wofür wir dankbar sein dürfen. Und mögen wir dadurch, wie das Volk am Jordan, heute neu zu dem werden, was wir sein sollen.

Schabbat Schalom.

-----------------------------

Три исповедания


Мы находимся в самом конце долгой речи, которую Моше произносит на берегу Иордана перед сынами Израиля. Это один из последних моментов, которые народ проведёт вместе с ним, ведь совсем скоро народ войдёт в землю уже без него. Наша недельная глава начинается словами "Ки таво эль ха-арец", когда ты придёшь в землю, и эта формулировка уже предвосхищает предстоящий переход. По этим стихам чувствуется, что мы стоим на пороге чего-то большого.

Но есть и вторая причина, почему этот текст имеет особое значение. Именно нашей недельной главой заканчивается большой девтерономический свод законов, который начинается с 12-й главы. И именно на этом стыке, в самом конце этого длинного свода законов, происходит то, чего в Торе прежде не было. Текст перестаёт быть только законом и превращается в литургию. Впервые нам вкладывают в уста конкретные слова, слова, которые показывают нам, как и что говорить Богу. Именно об этом я и хочу сегодня вечером поговорить.

Эта первая литургия Торы начинается с Биккурим, первых плодов. Отдельную статью об этом отрывке можно найти в архиве Jüdische Allgemeine. Здесь скажу коротко: земледелец приносит свой первый урожай в Храм и произносит там перед коэном короткое, но удивительно насыщенное заявление. В нескольких фразах он вмещает всю историю своего народа. "Отец мой был арамеем, чуть не погибшим от голода, и спустился в Египет. Там мы стали многочисленны. Египтяне поработили нас, и мы возопили к Богу. И Бог услышал нас, освободил великими чудесами и привёл нас в эту землю".

Четыре коротких фразы, и вся история народа рассказана. И земледелец, стоящий там со своей корзиной плодов, вписывает себя в эту историю. Он говорит не только о том, что произошло тогда, он заявляет, что сам он, с урожаем в собственных руках, и есть результат этой истории. По сути, это выражение благодарности. Благодарности за землю, за урожай, за свободу и за то, что вообще стал Божьим народом.

Сразу после заявления о Биккурим (первых плодах) следует второе заявление, Видуй маасер, исповедание о десятине. Его произносят каждые три года, после того как десятая часть годового урожая отдана левитам, пришельцам, сиротам и вдовам. Тогда человек заявляет перед Богом: я убрал святое, маасер, из своего дома и отдал его именно тем, кому Ты его предназначил, я не преступил ни одной из Твоих заповедей и ничего не забыл.

Слово Видуй означает исповедь, и в нашей традиции мы знаем это слово почти исключительно в одном контексте, в Видуй Йом Кипура, где мы исповедуем свои прегрешения. Здесь же всё наоборот. Человек исповедует не то, что сделал неправильно, а свидетельствует о том, что сделал правильно. И не где-нибудь, а в одном конкретном месте, в Храме, в вопросе ответственности за самых слабых в обществе, за левита без собственной земли, за пришельца без своей семьи, за сироту и за вдову, людей без средств к существованию.

Моя мама всегда говорит в походах, что группа настолько сильна, насколько сильно её самое слабое звено. Мне кажется, именно это стоит за этим исповеданием. Тот, кто благодарен за то, что Бог однажды спас народ рабов, не может собирать урожай и при этом забывать о слабых в собственной среде. Народ настолько силён, насколько сильны самые слабые среди нас. И именно о них мы обязаны заботиться. Не случайно и то, в каком месте текста стоит просьба о благословении. Только после того как дан отчёт об этой ответственности, мы просим Бога: воззри из святого жилища Твоего, с небес, и благослови народ Твой и землю. Сначала ответственность, потом благословение.
А затем, сразу вслед за этим, наступает настоящая кульминация всего отрывка. Два стиха, построенные из одной и той же редкой древнееврейской глагольной формы. "Эт Адонай хеэмарта hайом" — "ты сегодня заявил, что Господь есть твой Бог, что ты будешь ходить Его путями и слушать Его голос". И "Адонай хеэмирха hайом" — "и Господь сегодня заявил, что ты будешь Его избранным народом, как Он тебе обещал".

Один и тот же глагол, один раз применённый к народу, другой раз к Богу. Взаимное, симметричное заявление, почти как если бы два человека в один и тот же момент произносили друг другу брачную клятву. Раши читает это редкое слово как "выделить" или "избрать". Израиль из всех возможных богов избрал этого одного, а Бог из всех народов избрал этот один народ.

И не случайно здесь дважды звучит слово "сегодня". Если вспомнить, кто на самом деле стоит перед Моше в этот момент, это место становится ещё более впечатляющим. Это поколение никогда не стояло у горы Синай. Тогда они ещё не родились, или были детьми. И здесь, на берегу Иордана, накануне вступления в землю, они как бы заново переживают свой собственный Синай. Взаимное заявление между народом и Богом, точно как на Синае. Народ, который именно в этот момент становится народом, точно как на Синае. И сразу в следующей главе заповедь записать весь закон на камнях, как только перейдут Иордан, так же как на Синае возникли скрижали закона.
И вот ещё то, что бросилось мне в глаза при чтении. Фраза, которую, наверное, знает каждый из нас: земля, текущая молоком и мёдом. Эта фраза встречается в нашем отрывке ровно три раза, и всегда на одном и том же месте, в конце отрывка. В конце заявления о Биккурим, первых плодах. В конце Видуй маасер, исповеди о десятине. И в конце заповеди о надписи на камнях.

Эта фраза изначально была собственным обещанием Бога Моше у горящего куста, в самом начале всей истории. Теперь, накануне действительного вступления в землю, она трижды возвращается, словно рефрен под благодарностью, ответственностью и заветом. В этом слышится приближающееся исполнение того самого первого обещания, буквально за миг до того, как оно действительно сбудется.

Сейчас мы сами находимся в разгаре месяца Элул, незадолго до Ямим Нораим, Грозных дней, и уже через несколько недель мы снова произнесём Видуй в Йом Кипур. Ашамну, багадну, мы грешили, мы поступали неверно. Наша недельная глава напоминает нам, что рядом существует и другой вид исповедания. Исповедание не только того, что мы упустили, но и того, за что мы благодарны и за что готовы взять на себя ответственность.

Пусть в этот Элул мы найдём оба этих исповедания. Честное признание того, что мы сделали неправильно, и точно так же честное свидетельство о том, что мы сделали правильно и за что можем быть благодарны. И пусть благодаря этому мы, подобно народу на берегу Иордана, сегодня заново станем теми, кем должны быть.

Шаббат Шалом.

Comments

Popular posts from this blog

the jewish bookshop

 After classes were over for the day I headed to the city center to a lovely book shop called... ... yes you (tried) to read correctly, its Pomeranz! On first view already promising an amazing experience, the moment I stepped inside, I knew this will be a place I will be returning to more often! I was there to buy Machzorim for the upcoming high holidays, and I was on the lookout for the Koren Machzor with translation and commentary by Rabbi Jonathan Sacks. I found a small pocket hard cover edition. That would be not so heavy to hold during the long services of the High Holidays. Some of you know already, I very much like the typeface of the Koren AND I love Rabbi Sacks' commentary on everything!  for 200 shekel for 2 Machzorim, I knew this is a good buy and they will serve me some good years.  There were SO MANY books I immidiately wanted to buy, but I knew this had to wait, and after all, I could always come back and read them in the store ;) One thing I knew, I felt li...

Shabbat Ki Tavo

This Shabbat started mentally on Friday morning, which is not a work day in Israel, but a day completely free to dedicate to the preparation of the holy Shabbat about to arrive. For the Friday evening meal, my flatmates have planned to host, so when everyone was up we planned the meal and went shopping. Upon returning we started cooking. I can tell you one thing, when boys cook it's messy. However, I can tell you also that my cooking anxiety has become much better! I offered to cook rice and zucchini muffins, my favorite! When Shabbat finally arrived, and after the usual rushing before candle lighting, my flatmate Adam and me made our way to a Minyan in a schoolyard not far. We decided to go there, because they take it slow and with a lot of Kavanah. That was exactly what I was looking for. Shortly before Shabbat I was phoning my family and my Mom said that I have to go and see as many Shuls as possible! Definitely a challenge in the face of the global pandemic, but I was up to it ...