Diesen Shabbat war ich wiedermal in Dresden. Dies ist meine zweite Dewarim Dwar Torah, die ich gerne mit euch hier zweisprachig teile. Die erste findet ihr hier . Dieser Schabbat, der Schabbat vor Tischa beAv, heißt auch "Schabbat Chason" – benannt nach der Haftara aus Jesaja: "Chason Jeschajahu", die Vision Jeschajahus. Ein seltsamer Name für diesen Schabbat. Eine Vision, ein Chason, verbinden wir normalerweise mit Hoffnung, mit einem Blick nach vorn. Aber Jeschajahus Chason ist keine Verheißung, sondern eine Anklage: ein Volk, das Opfer bringt, ohne gerecht zu handeln; eine Stadt, die einst treu war und nun zur Hure geworden ist. Es ist eine Vision der Zerstörung, bevor sie geschieht. Und genau das ist der Schlüssel. Die Propheten – nicht nur Jeschajahu – prophezeien nicht den Untergang als Schicksal. Sie warnen nur davor. Jede Prophezeiung der Zerstörung ist, ihrem Wesen nach, ein letzter Ruf zur Umkehr. Hätte Israel gehört, wäre nichts von alledem eing...
BIKKURIM - Das biblische Opfer der ersten Früchte hat auch für die Gegenwart eine Bedeutung erschienen in der Jüdischen Allgemeinen am 11.09.2025: https://www.juedische-allgemeine.de/religion/echte-dankbarkeit/ In unserer Parascha Ki Tawo begegnen wir einem der ersten festgeschriebenen liturgischen Gebete aus der Tora. Es ist die Erklärung, die ein jüdischer Bauer abgibt, wenn er die ersten Früchte seiner Ernte, die Bikkurim, zum Tempel bringt: »Und du sollst zu dem Priester kommen, der in jenen Tagen sein wird, und zu ihm sprechen: ›Ich habe heute dem Ewigen, deinem Gott, kundgetan, dass ich in das Land gekommen bin, das der Ewige unseren Vätern geschworen hat, uns zu geben‹« (5. Buch Mose 26,3). Das hier für »kundtun« verwendete hebräische Wort »higadeti« ist bemerkenswert und alles andere als eine alltägliche Vokabel für »sagen«. Es teilt seine Wurzel mit einem der bekanntesten Texte des Judentums: der Pessach-Haggada, der Erzählung vom Auszug aus Ägypten. Diese sprachliche Verwandt...