Wir befinden uns ganz am Ende der langen Rede, die Mosche am Ufer des Jordan an Bnei Jisrael hält. Es ist einer der letzten Momente, die das Volk gemeinsam mit ihm erlebt, denn bald wird es ohne ihn ins Land ziehen. Unsere Parascha beginnt mit den Worten "Ki Tavo el Ha'aretz" – "wenn du in das Land kommst", und diese Formulierung nimmt genau diesen bevorstehenden Übergang vorweg. Man merkt an diesen Versen, dass wir kurz vor etwas Großem stehen. Es ist aber auch aus einem zweiten Grund eine besondere Stelle im Text. Mit unserer Parascha endet auch der große deuteronomistische Gesetzeskodex, der seit Kapitel 12 läuft. Und ausgerechnet an dieser Nahtstelle passiert etwas, das es in der Tora vorher so noch nicht gab. Der Text hört auf, nur Gesetz zu sein, und präsentiert uns eine Liturgie. Zum ersten Mal bekommen wir konkrete Worte in den Mund gelegt, Worte, die uns zeigen, wie und was wir zu Gott sprechen sollen. Genau darüber möchte ich heute Abend sprechen. Die...